Pflegegrad beantragen: Schritt für Schritt

Eine ältere Frau telefoniert mit einer Beraterin; beide halten einen Telefonhörer ans Ohr.

Wie Sie einen Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen — vom formlosen Antrag über die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst bis zum Bescheid, mit den Leistungen je Pflegegrad und praktischen Tipps.

Stand: Juni 2026 · Redaktionell verantwortet von Fabian Altmann

Alle Geldbeträge sind mit Quelle und Stand hinterlegt und werden zentral aktuell gehalten. Grundlage sind offizielle Quellen wie das Sozialgesetzbuch (SGB XI), das Bundesgesundheitsministerium und der GKV-Spitzenverband. So prüfen wir unsere Angaben

Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad beschreibt, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag noch bewältigen kann — vom Aufstehen und Waschen über das Essen bis zum Umgang mit Medikamenten und dem Kontakt zu anderen Menschen. Je weniger jemand allein schafft, desto höher der Pflegegrad. Es gibt fünf Stufen, von Pflegegrad 1 (geringe Beeinträchtigung) bis Pflegegrad 5 (schwerste Beeinträchtigung mit besonderem Pflegebedarf).

Der Antrag ist der Schlüssel: Erst mit einem anerkannten Pflegegrad zahlt die Pflegeversicherung überhaupt etwas. Dazu gehören das Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige, die Pflegesachleistung für einen ambulanten Pflegedienst, der monatliche Entlastungsbetrag von 131 €/Monat , ein Zuschuss zum Hausnotruf von rund 27 €/Monat , die Pflegehilfsmittel zum Verbrauch („Pflegebox") von bis zu 42 €/Monat sowie Zuschüsse zur Wohnraumanpassung, etwa für einen Treppenlift. Ohne anerkannten Pflegegrad gibt es nichts davon — deshalb ist der Antrag der erste und wichtigste Schritt.

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Beantworten Sie Schritt für Schritt sechs Lebensbereiche. Jede Zeile ist auf „selbstständig" bzw. „entfällt" voreingestellt — ändern Sie nur die Punkte, bei denen Einschränkungen bestehen. Das Ergebnis ist eine unverbindliche Orientierung.

Schritt 1 von 6

Modul 1: Mobilität

Bitte wählen Sie für jede Aussage die zutreffende Einstufung.

1.1 Positionswechsel im Bett
1.2 Halten einer stabilen Sitzposition
1.3 Umsetzen
1.4 Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
1.5 Treppensteigen
Unverbindliche Orientierungshilfe — ersetzt keine Begutachtung. Die offizielle Einstufung erfolgt nur durch den Medizinischen Dienst nach Antrag bei der Pflegekasse; dort werden alle 64 Einzelkriterien und Sonderregeln (z. B. bei Demenz) geprüft.

Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

Einen Pflegegrad beantragen Sie formlos bei der Pflegekasse — telefonisch, per E-Mail oder mit einem kurzen Brief. Danach besucht der Medizinische Dienst die pflegebedürftige Person zu Hause und begutachtet den Hilfebedarf; auf dieser Grundlage stuft die Pflegekasse in einen Pflegegrad ein. Im Kern sind es drei Schritte: Antrag stellen, begutachten lassen, Bescheid erhalten.

  1. Tag 1
    Antrag stellen
    Ein Anruf bei der Pflegekasse genügt. Ab diesem Tag zählt der Anspruch — rückwirkend bis zum Monatsersten.
  2. Tag 8
    Der Gutachter kommt
    Beispiel: Der Medizinische Dienst meldet sich und besucht die pflegebedürftige Person zu Hause. Eine feste Frist gibt es dafür nicht.
  3. Tag 25
    Bescheid
    Spätestens 25 Arbeitstage nach dem Antrag muss die Pflegekasse entscheiden. Danach steht Ihnen eine Entschädigung zu.
  4. Tag 45
    Widerspruch möglich
    Ist der Pflegegrad zu niedrig, haben Sie ab dem Bescheid einen Monat Zeit für den Widerspruch.

1. Antrag bei der Pflegekasse stellen

Die Pflegekasse sitzt bei der Krankenkasse der pflegebedürftigen Person. Ein formloser Antrag genügt — ein Anruf, eine kurze E-Mail oder ein Brief mit dem Satz, dass Leistungen der Pflegeversicherung beantragt werden. Das Antragsformular schickt die Kasse danach zu.

Wichtig ist das Datum: Leistungen werden rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung gezahlt, nicht erst ab dem Bescheid. Es lohnt sich also, früh zu beantragen, auch wenn noch Unterlagen fehlen. Antragsberechtigt sind die betroffene Person selbst, Angehörige mit Vollmacht sowie gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer. Bei der Antragstellung helfen außerdem die Pflegestützpunkte kostenlos weiter.

2. Begutachtung durch den Medizinischen Dienst

Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst (MD). Eine Gutachterin oder ein Gutachter kündigt sich an und besucht die Person zu Hause. Beim Termin wird mit dem heutigen Begutachtungsverfahren in sechs Lebensbereichen geschaut, wie selbstständig der Alltag gelingt: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten und psychische Lage, Selbstversorgung, der Umgang mit Krankheit und Therapie sowie die Gestaltung des Alltagslebens. Daraus ergeben sich Punkte, und die Punktsumme bestimmt den Pflegegrad.

3. Bescheid und Frist

Auf Grundlage des Gutachtens stuft die Pflegekasse in einen Pflegegrad ein und teilt das Ergebnis schriftlich mit. Das Gutachten selbst kommt in der Regel mit dem Bescheid — wie Sie es sonst anfordern und wie Sie die Punkte darin lesen, steht im Ratgeber Pflegegutachten anfordern und richtig lesen.

Welche Leistungen gibt es je Pflegegrad?

Die Leistungen je Pflegegrad unterscheiden sich deutlich. Ab Pflegegrad 2 zahlt die Pflegeversicherung Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige oder eine höhere Pflegesachleistung für einen ambulanten Pflegedienst — bei Pflegegrad 2 zum Beispiel 347 €/Monat Pflegegeld. Bei Pflegegrad 1 gibt es stattdessen den Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel. Die Übersicht unten zeigt die monatlichen Beträge.

Pflegegrad Pflegegeld
€/Monat
Pflegesachleistung
€/Monat
Pflegegrad 1 — —
Pflegegrad 2 347 796
Pflegegrad 3 599 1.497
Pflegegrad 4 800 1.859
Pflegegrad 5 990 2.299

Die Beträge wurden für 2026 unverändert aus 2025 fortgeschrieben; die nächste reguläre Anpassung ist für 2028 geplant.

Was Ihnen mit welchem Grad im Einzelnen zusteht, haben wir je Pflegegrad aufgeschlüsselt: Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5.

Ein Punkt, der viele überrascht: Bewilligt die Pflegekasse Ihren Antrag, zahlt sie nicht erst ab dem Bescheid, sondern rückwirkend. Ab welchem Tag genau und was das bei langer Bearbeitung bedeutet, steht im Ratgeber Pflegegeld rückwirkend: ab wann die Pflegekasse zahlt.

Wie bereite ich mich auf die Begutachtung vor?

Auf die Begutachtung bereiten Sie sich vor, indem Sie ein Pflegetagebuch führen, Arztberichte und den Medikamentenplan bereitlegen und den Alltag ehrlich schildern — auch die schlechten Tage. Eine vertraute Person sollte dabei sein. So wird der tatsächliche Hilfebedarf für die Gutachterin oder den Gutachter nachvollziehbar und nicht zu niedrig eingeschätzt.

Wie der Termin abläuft, welche Fragen gestellt werden und was Sie vorher zusammentragen sollten, steht Schritt für Schritt im Ratgeber Gutachtertermin vorbereiten.

Geht es um ein Kind, gilt ein eigener Maßstab: Verglichen wird mit altersentsprechend entwickelten Kindern, und für die Kleinsten gibt es eine Sonderregel. Was das für die Vorbereitung bedeutet, steht im Ratgeber Pflegegrad für Kinder.

  • Pflegetagebuch führen. Notieren Sie über ein bis zwei Wochen, bei welchen Tätigkeiten wie viel Hilfe nötig ist und wie lange sie dauert. Das macht den Aufwand für die Begutachtung nachvollziehbar. Fangen Sie damit an, sobald der Antrag gestellt ist — nicht erst kurz vor dem Termin. Eine Vorlage zum Ausdrucken mit Erklärung finden Sie unter Pflegetagebuch.
  • Eine vertraute Person dabei haben. Angehörige oder eine Vertrauensperson können ergänzen, an Dinge erinnern und unterstützen, wenn das Gespräch anstrengend wird.
  • Unterlagen bereitlegen. Arztberichte, der Medikamentenplan und eine Liste der Hilfsmittel helfen, den Bedarf zu belegen.
  • Die kostenlose Pflegeberatung nutzen. Pflegekassen und Pflegestützpunkte beraten unverbindlich und helfen beim Antrag, bei der Vorbereitung des Termins und — falls nötig — beim Widerspruch.

Häufige Fragen

Was kostet der Antrag auf einen Pflegegrad?
Nichts. Der Antrag bei der Pflegekasse ist kostenlos, ebenso die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst und die Pflegeberatung. Es entstehen Ihnen dadurch keine Gebühren.
Kann ich den Pflegegrad formlos beantragen?
Ja. Ein formloser Antrag genügt — telefonisch, per E-Mail oder mit einem kurzen Brief an die Pflegekasse. Ein Satz wie „Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung" reicht. Das Antragsformular schickt Ihnen die Kasse anschließend zu.
Wie lange dauert es bis zum Bescheid?
Die Pflegekasse muss innerhalb einer gesetzlichen Regelfrist schriftlich entscheiden (die genaue Frist nennt der Abschnitt „Antrag Schritt für Schritt"). Hält sie die Frist ohne ausreichenden Grund nicht ein, erhalten Sie automatisch einen Säumniszuschlag.
Ab wann bekomme ich Geld?
Rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung — nicht erst ab dem Tag des Bescheids. Deshalb lohnt es sich, früh zu beantragen, auch wenn die Begutachtung noch aussteht.
Was kann ich tun, wenn der Pflegegrad zu niedrig ist oder der Antrag abgelehnt wird?
Gegen den Bescheid können Sie innerhalb der im Bescheid genannten Widerspruchsfrist (siehe Abschnitt „Antrag Schritt für Schritt") schriftlich Widerspruch einlegen. Ein Pflegetagebuch und konkrete Beispiele aus dem Alltag helfen, den tatsächlichen Hilfebedarf zu belegen. Die kostenlose Pflegeberatung unterstützt dabei.

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